Es ist 08:17 Uhr. Erste Mitarbeitende können sich nicht mehr anmelden. Systeme reagieren verzögert oder gar nicht. Der Zugriff auf wichtige Daten bricht plötzlich ab. Gleichzeitig steigt die Zahl interner Rückfragen stark an, Telefone laufen heiß und irgendwo macht ein erstes Gerücht die Runde: „Haben wir es mit einem Cyberangriff zu tun?“
In genau solchen Momenten zeigt sich, wie belastbar ein Unternehmen wirklich ist. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern vielmehr um Organisation. Denn jetzt entscheidet sich, wie gut die Abläufe in den ersten Stunden funktionieren. Nicht die Frage, welche Sicherheitslösungen vorher implementiert wurden.
Solche Situationen habe ich in der Praxis bei Kunden selbst erlebt.
Auf dem Papier ist meist alles geregelt: Notfallkonzepte, Richtlinien oder sogar ausführliche Handbücher sind vorhanden. Doch wenn der Ernstfall eintritt, zeigt sich oft ein anderes Bild:
Während intern noch diskutiert wird, vergeht wertvolle Zeit. Jede Minute ohne klare Entscheidung verursacht Kosten. Jede Stunde ohne Struktur verschärft die Situation. Und jeder weitere Tag kann das Vertrauen von Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden nachhaltig beschädigen.
Cyberangriffe sind mehr als reine IT-Probleme. Sie betreffen das gesamte Unternehmen.
In vielen Organisationen lässt sich ein wiederkehrendes Muster erkennen: Es wird stark in IT-Sicherheit investiert – von Firewalls über Monitoring bis hin zu Awareness-Programmen. Dennoch geraten Unternehmen unter Druck, sobald ein Angriff tatsächlich stattfindet.
Der Grund liegt oft nicht in der Technik, sondern in fehlender organisatorischer Abstimmung. Wenn zentrale Bereiche nicht koordiniert handeln, entsteht Chaos. Nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern weil die Strukturen nicht darauf ausgelegt sind.
Besonders kritisch wird es, wenn folgende Disziplinen nicht abgestimmt zusammenarbeiten:
Existieren diese Bereiche isoliert voneinander, behindern sie sich im Ernstfall eher, als dass sie sich unterstützen. Das kostet wertvolle Zeit und genau die ist in einer Krise entscheidend.
Viele Organisationen verlassen sich darauf, „einen Plan zu haben“. Doch ein Plan allein reicht nicht aus. Er muss bekannt sein, regelmäßig geübt werden und klare Entscheidungsfähigkeit ermöglichen.
In der Praxis fehlen oft genau die Faktoren, die in den ersten Stunden entscheidend sind:
Ohne diese Grundlagen entsteht zunächst Stillstand, der in der Krise zum teuersten Zustand wird.
Die Bedrohungslage hat sich verändert: Angriffe sind schneller, komplexer und richten sich gezielt gegen die gesamte Organisation. Es geht nicht mehr nur darum, Systeme zu schützen, sondern handlungsfähig zu bleiben, wenn dieser Schutz versagt.
Die zentrale Frage lautet heute nicht mehr, ob ein Angriff stattfindet, sondern wie gut ein Unternehmen darauf reagieren kann.
Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Organisationen, die lediglich reagieren und solchen, die auch im Ausnahmezustand handlungsfähig bleiben.
Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um Klarheit, Struktur und Geschwindigkeit. Verständnis ist der erste Schritt. Echte Handlungsfähigkeit ist das Ziel.
Aus meiner Sicht ist klar: Wer heute nicht weiß,
verliert im entscheidenden Moment wertvolle Zeit.
In unserem Whitepaper „Cyberangriffe verstehen“ gehen wir der Frage nach, welche Rolle BCM, IT-Notfallmanagement und Krisenmanagement spielen, und zeigen, wie diese Bereiche im Ernstfall ineinandergreifen.
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Marius Dreixler ist Product Manager BCM bei syracom. Mit einem Studienabschluss in Unternehmens- und IT-Sicherheit sowie langjähriger Praxiserfahrung im Business Continuity Management (BCM) bringt Marius Dreixler tiefgehende Expertise in der Absicherung geschäftskritischer Prozesse und der Entwicklung nachhaltiger Resilienzstrategien mit. Als Berater bei syracom begleitet er Unternehmen unterschiedlichster Branchen bei der Konzeption, Umsetzung und kontinuierlichen Optimierung von BCM- und Krisenmanagementstrukturen. Dabei verbindet er strategische Weitsicht mit der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte präzise zu analysieren und klar zu strukturieren – und schafft so die Grundlage für effiziente Projektrealisierungen und nachhaltig erfolgreiche Lösungen.
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