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24.03.2013 SEPA-Migration wird unterschätzt

26.März.2013 PINQ, Finanzdienstleistung

Viele Firmen ignorieren den neuen Zahlungsstandard Sepa im Geldverkehr. Das neue Zahlungssystem ist ab Februar 2014 Pflicht. Die Bundesbank startet eine Informationskampagne.

Handelsblatt, 21.03.2013/S. 28L. de la Motte, D. Heß, H. Steuer

Viele deutsche Unternehmen schenken der Umstellung auf den neuen europäischen Zahlungsverkehrsstandard Sepa (Single Euro Payment Area) bislang wenig Aufmerksamkeit. Zu wenig, meinen die Bundesbank und der Bundesverband deutscher Banken (BdB). Das soll sich nun ändern: Die Bundesbank werde mehr als zehn Millionen Flugblätter verteilen und plane eine Anzeigenkampagne, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele dem Handelsblatt.

Ab 1. Februar 2014 muss jede Überweisung und jede Lastschrift auch im Inland über die neuen, internationalen Kontonummern (International Bank Account Number, Iban) laufen. Ehrenamtliche Vereinsschatzmeister müssen sich darauf genauso einstellen wie Personalchefs von Firmen. Für viele Unternehmen hat Sepa bisher allerdings niedrige Priorität. Bundesbank-Vorstand Thiele warnt, viele Unternehmen gingen davon aus, dass sie von Sepa nicht betroffen sein würden, weil ihrer Ansicht nach nur der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr umgestellt werde. „Das ist ein großer Irrtum", erklärt Thiele.

„Wir versuchen, die Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren, aber sie müssen selbst aktiv werden und ihre internen Systeme umstellen", sagt BdB-Hauptgeschäftsfiihrer Michael Kemmer dem Handelsblatt. Die Banken seien für Sepa gerüstet. „Jetzt muss aber auch die Politik mitziehen und mehr Engagement zeigen, damit die Unternehmen aufwachen", fordert er. Auf Anfrage des Handelsblatts kündigte das Bundesfinanzministerium an, mit der Bundesbank die Unternehmensverbände zu kontaktieren, um auf die Sepa- Umstellungund die entsprechenden Rechtsfolgen hinzuweisen.

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich hinterher. Nach Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) werden in Finnland und Slowenien bereits fast alle Überweisungen nach dem Sepa-Standard getätigt, während der Anteil in Deutschland unter sieben Prozent liegt.

Vorbild Finnland: Dort läuft der Zahlungsverkehr über den neuen Standard schon seit Ende 2011. Ein Grund für die schnelle Umsetzung: Bereits 2006 beschloss der Zentralverband der Finanzindustrie die Se- pa-Einführung. Neben einer massiven Informationskampagne trug die Zusammenarbeit der Finanzbranche, der Industrie und der Software- Entwickler zur raschen Umsetzung bei. Zudem ist das Online-Banking in Finnland weit verbreitet. Und das wurde Ende 2011 komplett auf das neue System umgestellt.

Auch wenn noch über 300 Tage Zeit ist, mahnen die Experten zur Eile. Bundesbanker Thiele rät: „Spätestens im Oktober 2013 sollten sich Unternehmen auf den neuen Zahlungsstandard eingestellt haben." Denn: Zeit für eine Testphase sollte sein. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Verbraucherschützer warnen, dass zu viele Unternehmen die neuen Iban-Kontonum- mern, die zum Beispiel auch für Gehaltsüberweisungen benötigt werden, erst auf den letzten Drücker abfragen. Unternehmen, die Lastschriften einziehen, müssen außerdem eine Gläubiger-Identifikation bei der Bundesbank beantragen. Zudem muss bei jeder Einzugsermächtigung künftig eine Referenz und das Datum, an dem die Einzugsermächtigung erteilt wurde, übermittelt werden. Für diese Änderungen muss die Buchungssoftware angepasst werden.

Jedes Unternehmen sollte die Technik dann mit seiner Bank testen. „Für viele Firmen dürfte ein Zahlungslauf ausreichen, um zu sehen, ob es Probleme gibt", sagt Ac- centure-Geschäftsführer Thomas Sontheimer. Unternehmen, die besonders viele Lastschriften einziehen wie Versicherer und Versorger, empfiehlt er längere Testphasen.

Sollte die Technik am 1. Februar nicht funktionieren, drohen Mahnungen und im schlimmsten Fall Liquiditätsnöte. Zahlungen nach dem alten Format „werden ab Februar 2014 nicht mehr bearbeitet und müssen den Einreichern zurückgegeben werden", sagt Thiele. Ob die Sepa-Verordnung eingehalten wird, kontrolliert die Finanzaufsicht Ba- fin - zumindest bei Kreditinstituten.

 

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